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20.07.2011
Kategorie: Publikationen

Familienfreundlichkeit als Wettbewerbsvorteil

Beitrag für den "Kompass", das Magazin des Bund des Selbstständigen (BDS) Schleswig-Holstein


Der demografische Wandel und seine Folgen für den Arbeitsmarkt sind hinlänglich bekannt. Die meisten Unternehmen werden in den kommenden Jahren mit dem Fachkräftemangel konfrontiert werden.

Der Arbeitsmarkt muss somit seine Reserven mobilisieren, um den Bedarf auch weiterhin decken zu können. Eine entscheidende Reserve hierbei sind die Frauen mit Familie. Derzeitig sind ganze 6,3 Millionen Frauen im erwerbfähigen Alter nicht berufstätig. Zum Vergleich: Der bisherige Höchststand von Arbeitslosen in Deutschland betrug ca. 5 Millionen.

Um dieses Potenzial nun abzurufen, bedarf es keiner gesetzlichen Frauenquote, sondern einer grundsätzlichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit könnten ca. 1,2 Millionen gut qualifizierte Frauen für den Arbeitsmarkt gewonnen werden. Aber auch bei den bereits arbeitenden Frauen besteht noch Potenzial gut 45% sind nur in Teilzeit und würden gerne mehr arbeiten. Auch Führungsaufgaben würden viele gerne übernehmen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

„Als Mutter dreier Kinder, welche selbst in Teilzeit als Medienberaterin gearbeitet hat, kann ich die Situationen von Erziehenden sehr gut nachvollziehen. Das Kind bekommt in der Nacht Fieber, wird am nächsten Tag nicht in den Kindergarten können. Jedoch steht am Folgetag ein wichtiger Termin an, und kein Familienangehöriger ist greifbar, der einspringen könnte.“ In diesen Situationen kann eine Notfallbetreuung Gold wert sein. Wenn der Arbeitgeber in solchen Lagen beispielsweise innerhalb einer Stunde eine Tagesmutter organisieren kann, ist der Mutter enorm geholfen. Auch die Möglichkeit, das Kind einfach mit uns Büro zu bringen, kann helfen. Doch selbst, wenn der konkrete Bedarf niemals eintritt, ist es gut zu wissen, das für den Notfall vorgesorgt ist.

Wenn ein Unternehmen Zugriff auf feste Kapazitäten in Kitas hat, können diese den Mitarbeitern als Sozialleistung angeboten werden. Dabei muss nicht jedes Unternehmen zwangsweise einen eigenen Kindergarten unterhalten, es gibt bereits interessante Angebote von gewerblichen Kindergärten, in welchen sich Firmen Plätze einkaufen können.

Doch nicht nur solche konkreten Betreuungsleistungen können helfen, Familie und Beruf vereinbar zu machen, entscheidend sind grundlegend familienfreundliche Strukturen in Unternehmen. Diese können zum Beispiel in flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Homeoffice bestehen. Wenn eine Mutter regelmäßig auch von zu Hause arbeiten kann, entstehen oben genannte Probleme vielleicht gar nicht erst. Vor allem bei der Personalauswahl darf das Kind kein k. o. Kriterium mehr sein.

All diese Faktoren können ein ganz neues Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber schaffen. Das kann schon beim Bewerbungsgespräch beginnen. War eine typische Frage dort bisher: „Ich sehe sie haben Kinder. Was machen sie denn, wenn mal eins krank ist?“, so kann es fortan lauten „Ich sehe, Sie haben Kinder. Sollte mal eines krank werden und keine Betreuung verfügbar sein, können Sie ganz unbesorgt sein. Wir sind darauf vorbereitet und werden da immer eine Lösung finden.“ Wenn ein Arbeitgeber einer künftigen Mitarbeiterin so begegnet, ist gleich Vertrauen geschaffen, wodurch er sich dann auch der Loyalität der Arbeitnehmerin sicher sein kann, wenn einmal schwierigere Zeiten anstehen.

Den genannten Problemen möchte ich mit meiner Stiftung begegnen. Meine Vorstellung sind regionale Stiftungen, welche von der Wirtschaft vor Ort, wie auch von politischen Institutionen und Verbänden initiiert und gefördert werden können.“ Unternehmen können dann Beiträge an diese Stiftungen zahlen und erhalten dafür im Gegenzug Zugriff auf die Leistungen der Stiftung. Diese können aus den besagten Tagesmüttern bestehen, aber auch. In Form vom Kitaplätzen, welche die Stiftung einkauft und an die Unternehmen weiter geben kann. Auf lange Sicht könnten durch die Stiftung sogar ganz eigene Kindergärten gebaut werden. Derzeit finden sich Kitas fast ausschließlich in Wohngebieten. Für viele arbeitende Mütter wäre ein Betreuungsangebot im Gewerbegebiet sehr attraktiv. Aber auch neben den Betreuungsleistungen können Beratungsleistungen (Coaching) erbracht werden. Eine Zertifizierung für besonders familienfreundliche Unternehmensführung ist ebenfalls denkbar.

„Als Vorbild dient mir die Emsländische Stiftung Beruf und Familie.“ In der Region Emsland ist eine besondere Familienfreundlichkeit in der Wirtschaft zu beobachten. Dort wurde die Nachricht verstanden. „Ich würde mir wünschen, dass sich vergleichbares auch in Schleswig-Holstein realisieren lässt.“


Schlagworte: Anita Klahn, Politik, Politikerin, Sozialpolitik, FDP, liberal, Stormarn, Schleswig-Holstein, Landtag, SH-Landtag, Landtagsvizepräsidentin, FDP-Landtagsfraktion