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01.04.2011
Kategorie: Publikationen

Verbraucher benötigen Kompetenten Wegweiser

Grußwort zum 100-jährigen Jubiläum der Verbraucherzentrale Bad Oldesloe


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Ihnen heute ganz herzlich zu Ihrem 100-jährigen Jubiläum gratulieren. Verbraucher zu sein, ist heute nicht einfach, lassen Sie mich einige Beispiele nennen:

Zunächst wäre das ewige Thema der Energie. Schon lange wird die Marktmacht der vier „Besatzungsmächte“, das daraus resultierende Fehlen von Wettbewerb und letztlich die zu hohen Energiepreise für den Endverbraucher moniert. Die nun laufenden Debatten über den zeitnahen Ausstieg aus der Kernenergie machen die Situation des Verbrauchers nicht einfacher. Machen wir uns hier keine Illusion: Der Strom der Kernkraftwerke wird uns erst einmal fehlen. Der Atomausstieg mag eine richtige Investition in unsere Zukunft sein, aber Investitionen kosten auch immer Geld, und der Atomausstieg wird sich auf unser aller Stromrechnung niederschlagen. Somit werden Verbraucher gezwungen sein, sich zukünftig noch wacher, noch aufgeklärter am Strommarkt zu orientieren.

Aber auch abseits des Stroms gibt es bei der Energie offene Fragen. Brandaktuell ist hierbei der Kraftstoff E10. Doch auch vorher ist das Thema „Brennstoff aus nachwachsenden Rohstoffen“ kontrovers diskutiert worden. Tut man der Umwelt auf lange Sicht einen Gefallen, wenn man auf solche Kraftstoffe umsteigt? Und wie wirkt sich die Produktion solcher Kraftstoffe auf den Welthunger aus? Alles Fragen mit denen sich der interessierte Verbraucher quälen muss.

Ein anderer Bereich sind die Lebensmittel. Hier gibt es alle Jahre neue Krisen und Skandale. War es in den Neunzigern BSE, vor einigen Jahren das „Gammelfleisch“, so ist es aktuell das Stichwort „Dioxin“, was den Verbrauchern die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Aber nicht nur beim Fleisch, auch bei anderen Lebensmitteln machte sich in der Vergangenheit Angst breit. Wie zum Beispiel bei Kartoffelprodukten, in welchen das krebserregende Acrylamid gefunden wurde. Ganz aktuell fürchten sich viele Menschen für Lebensmittel, welche durch das Reaktorunglück in Japan belastet sein könnten. Auch hier muss jemand dem Verbraucher den Weg durch das Dickicht zeigen. Das europäische Schnellwarnsystem RASFF bietet hier sicher eine Grundlage, aber dennoch wird die Anlaufstelle vor Ort benötigt.

Auch beim Spielzeug gibt es reihenweise Gefahren. Produkte können schadstoffbelastet sein oder Verletzungsrisiken bergen. Als Beispiel kann hier die Rückrufaktion des Herstellers Mattel in 2007 dienen: Hier waren Spielzeuge mit bleihaltiger Farbe bestrichen. Hier haben es Verbraucher besonders schwer, etwas Unbedenkliches für den Nachwuchs zu finden, da sie sich einem Dschungel an Prüfsiegeln gegenübersehen, von denen viele keine ernsthafte Aussagekraft haben. Dieses wurde auch schon von verschiedenen Verbraucherzentralen kritisiert. Auch bei den Kontrollen von importierter Ware seitens der EU sehen Verbaucher Nachbesserungsbedarf.

Neben diesen Beispielen bietet natürlich auch der Dienstleistungssektor viele Stolperfallen. Sei es nun Telekommunikation, Versicherungen oder Reisen. Aber ich will jetzt nicht auf jede Branche einzeln eingehen. Wie diese Beispiele zeigen, gibt es viele Fragen, in welchen die Verbraucher einen kompetenten Wegweiser benötigen. Dazu gehört aber auch die Aufklärung, wie das eigene Konsumverhalten Mitursache für derartige Vorfälle sein kann. Werbeslogans wie „Geiz ist geil!“ oder „Hier spricht der Preis!“ sind prägend für unser heutiges Kaufverhalten. Dadurch erlegen wir den Herstellern aber auch deren Zulieferern einen immensen Kostendruck auf. Kann dieser nicht an den Verbraucher weitergereicht werden, so muss an den Herstellungskosten gespart werden. Als Lösung dienen dann kostengünstige Inhaltsstoffe und Produktionsverfahren, welche dann die genannten Risiken mit sich bringen können.

Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute. Lassen Sie die Menschen mit den genannten Fragen nicht allein.


Schlagworte: Anita Klahn, Politik, Politikerin, Sozialpolitik, FDP, liberal, Stormarn, Schleswig-Holstein, Landtag, SH-Landtag, Landtagsvizepräsidentin, FDP-Landtagsfraktion